Prof. Dr. Schlüter-Knauer, Carsten (carsten.schlueter-knauer@haw-kiel.de)
Prof. Dr. Schlüter-Knauer, Carsten (carsten.schlueter-knauer@haw-kiel.de)
Wintersemester 2019/20
1 Semester
In der Regel im Wintersemester
Deutsch
Studiengänge und Art des Moduls (gemäß Prüfungsordnung)
Studiengang
Vertiefungsrichtung
Schwerpunkt
Modulart
Fachsemester
M.A. - AK - Angewandte Kommunikationswissenschaft
Pflichtmodul
Kompetenzen / Lernergebnisse
Kompetenzbereiche: Wissen und Verstehen; Einsatz, Anwendung und Erzeugung von Wissen; Kommunikation und Kooperation; Wissenschaftliches Selbstverständnis/Professionalität.
Nach erfolgreichem Abschluss verfügen die Studierenden über folgende Kompetenzen gemäß der zweiten Stufe des Qualifikationsrahmens für Deutsche Hochschulabschlüsse (HQR):
• Sie können Leistungen und Grenzen verschiedener Theorie und Konzepte zum sozialen und politischen Zusammenhang von Medien und Gesellschaft benennen und sie voneinander unterscheiden
• Sie können diese Theorien und Konzepte professionell auf theoretische und praktische Fragestellungen anwenden und solche Fragestellungen theoretisch gestützt entwickeln
• Sie können die diesen Theorien und Konzepten zugrundeliegenden und partiell disziplinübergreifenden Methoden identifizieren, verstehen und – teilweise – anwenden
Nach erfolgreichem Abschluss verfügen die Studierenden über folgende Kompetenzen gemäß der zweiten Stufe des Qualifikationsrahmens für Deutsche Hochschulabschlüsse (HQR):
• Prozesse öffentlicher Kommunikation und den Einfluss der Medien in der öffentlichen Sphäre zu analysieren und kritisch zu hinterfragen
• das Zusammenspiel verschiedener Akteure und Institutionen in Medien, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu analysieren und zu bewerten
• das Handeln der Medien in politischen und gesellschaftlichen Konfliktkonstellationen zu analysieren, zu vergleichen und zu interpretieren
• Mediatisierungsprozesse zu identifizieren und in ihrer Bedeutung für Politik und Gesellschaft kritisch zu hinterfragen
Auf dieser Grundlage können Sie sich selbstständig neues Wissen und Können aneignen.
Nach erfolgreichem Abschluss können die Studierenden in Vorträgen, Referaten und mediengestützten Präsentationen ihre Arbeitsergebnisse im Seminar vorstellen und verteidigen.
Die Studierenden sind nach erfolgreichem Abschluss in der Lage, sich mit Primärquellen und unterschiedlichen Textsorten informiert und methodisch bewusst auseinanderzusetzen. Sie verfügen über die Kompetenz genauen Lesens (mikrologisches Lesen) und können diese in der Seminargruppe ausüben und sich mit anderen über ihre Lektüre argumentativ austauschen und dementsprechend begründet Stellung nehmen.
Die Studierenden können ihre Selbststudienanteile eigenverantwortlich und nachhaltig gestalten und ihre Lernprozesse reflektieren, die Reflexionsergebnisse wissenschaftlich gestützt verarbeiten und schriftlich niederlegen sowie daraus Schlussfolgerungen für ihre Handlungsweisen ziehen.
Angaben zum Inhalt
Das Modul behandelt die institutionellen Rahmenbedingungen und die Organisation der öffentlichen Kommunikation im Struktur- und Funktionenvergleich von der griechischen Antike bis in die Gegenwart durch orientierende Querschnitte. Dabei werden Begriffe, Theorien und Fragestellungen zu Öffentlichkeit, öffentlicher Meinung und Kommunikation vermittelt.
Ebenso wird auf das Verhältnis von Massenmedien und politischen Systemen vornehmlich in westlichen Gesellschaften eingegangen. Dazu gehören auch die frühen und gegenwärtigen Massenmedien als Akteure bei der Gestaltung von Öffentlichkeit und aktuelle Befunde zum Einfluss der Medien auf politische Öffentlichkeit, um ein historisch orientiertes Grundverständnis zu erarbeiten. Insofern werden wir den großen Umbrüchen im Mediengebrauch folgen und zugleich klassische Texte der Disziplin jenseits bloßen Lehrbuchwissens kennenlernen. Insofern wollen wir zentrale Begriffe und Anschauungsweisen - mittels derer Gesellschaften sich medial über sich selbst verständigen - vorstellen, analysieren und kritisch betrachten. Makroskopisch werden Langzeitperspektiven behandelt, um das große Thema in den Griff zu bekommen, und mikroskopisch Selbstverständigungen in Texten analysiert.
In der untenstehenden Literaturübersicht finden Sie die möglichen Themenschwerpunkte.
Einleitung: Gibt es ein Rieplsches Gesetz? (Wolfgang Riepl: Das Nachrichtenwesen des Altertums. Leipzig-Berlin 1913, S. 1-7: http://www.digitalis.uni-koeln.de/Riepl/riepl_index.html)
• Die Öffentlichkeitsstruktur der klassischen griechischen Antike (Hannah Arendt et al.): von der Isegoria – dem Mitsprechenkönnen, dem gleichen Rederecht – zur Parrhesia – dem Allessagendürfen aller Bürger, dem unbedingten Rederecht (Kurt Raaflaub): Arendt, Hannah (1958), The Human Condition, Chicago; deutsche Ausgabe u. d. T.: Vita activa oder Vom tätigen Leben, 2. Aufl. München 1981 (dt. Erstausgabe Stuttgart 1960); Raaflaub, Kurt A. (1980), Des freien Bürgers Recht der freien Rede. In Studien zur antiken Sozialgeschichte. Festschrift Friedrich Vittinghoff, hrsg. Werner Eck et al., 7-57. Köln / Wien;
Kommunikation und die Begründung politischer Gemeinschaft (Aristoteles); Aristoteles. [~335 v. Chr.?]. Politiká [Buch I] (diverse Ausgaben)
• Das antike politische Theater als erstes gesellschaftliches Massenmedium zur Schulung von Perspektivenein- und -übernahme inklusive ironischer Selbstdistanzierung und -kritik und seine Regredierung zum Unterhaltungstheater im 4. Jahrhundert v. Chr. ff.: Meier, Christian (1988), Die politische Kunst der griechischen Tragödie, München
• Hypolepsis, kollektives Gedächtnis (Maurice Halbwachs und Jan Assmann) und die Philosophendebatte um Mündlichkeit und Schriftlichkeit in Platons Phaidros und Politeia; Platon [~387-367 v. Chr.], Politeía (diverse Ausgaben);[~365-350 v. Chr.], Phaidros (diverse Ausgaben); Halbwachs, Maurice (1967), Das kollektive Gedächtnis, Stuttgart; Assmann, Jan (1992), Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München; dazu Eric A. Havelocks Schriften ((1990), Schriftlichkeit, Weinheim; (1992), Als die Muse schreiben lernte, Frankfurt/M) und Vilém Flussers Schrift über (1989)‚ Die Schrift‘, Göttingen, auch als Übergang zur
• ‚Gutenberg-Galaxis‘ (Harold A. Innis‘ und Marshall McLuhans Geschichtsphilosophie und -Anthropologie): Innis, A. Harold (1997), Kreuzwege der Kommunikation, Wien/New York; McLuhan, Marshall (1995), Die Gutenberg-Galaxis. Das Ende des Buchzeitalters, Bonn.
• Öffentlichkeit und Aufklärung: Rousseau, Jea-Jaques (1762), Du contrat social ou principes du droit politique (diverse Ausgaben, z.B. 1977, Der Gesellschaftsvertrag, Frankfurt/M); Tocqueville, Alexis-Charles-Henri-Clérel de (1835 / 40), De la Démocratie en Amérique [diverse Ausgaben, z.B. (1987), Über die Demokratie in Amerika, Zürich]; Kant, Immanuel (1795 = A / 1796 = B), Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf, Königsberg (diverse Ausgaben); Hegel, Georg Wilhelm Friedrich (1821), Grundlinien der Philosophie des Rechts, Berlin (diverse Ausgaben); und Panoptisierung (die andere Öffentlichkeit: Foucault, Michel (1977), Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses, Frankfurt/M 1977),
• Die Zeitung nicht mehr als Eliten-, sondern als Massenmedium im 19. und 20. Jahrhundert (Franz von Holtzendorff, Wilhelm Bauer, Albert Schäffle, Ferdinand Tönnies, Jürgen Habermas): Holtzendorff, Franz von (1879), Wesen und Werth der öffentlichen Meinung, München; Schäffle, Albert G. Fr. (1875), Bau und Leben des sozialen Körpers, Bd. 1, Tübingen; Bauer, Wilhelm (1914), Die öffentliche Meinung und ihre geschichtlichen Grundlagen, Tübingen; Tönnies, Ferdinand (1922), Kritik der öffentlichen Meinung, Berlin; Habermas, Jürgen (1962), Strukturwandel der Öffentlichkeit, Darmstadt / Neuwied
• Reproduzierbarkeit, Radio-Theorie und Kinodebatte in der Weimarer Republik (Leo Löwenthal, Walter Benjamin, Bertolt Brecht, Siegfried Kracauer et al.): Löwenthal, Leo (1980), Literatur und Massenkultur (=Schriften 1), Frankfurt/M; Benjamin, Walter (2007), Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und weitere Dokumente [kommentierte Ausgabe], Frankfurt/M; Brecht, Bertolt (1992), Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Bd. 21, Berlin / Frankfurt/M; Kracauer, Siegfried (1974), Kino. Essys, Studien, Glossen zum Film, Frankfurt/M; Kaes, Anton (1978), Kino-Debatte. Texte zum Verhältnis von Literatur und Film 1909-1929, Tübingen
• Kracauer, Siegfried (2012), Totalitäre Propaganda [Masse und Propaganda: Eine Untersuchung über die fascistische Propaganda (1936-38)], Frankfurt/M
• Das Fernsehen: (Theodor W. Adorno, Marshall Mc Luhan und Neil Postman) und ‚die Internet-Galaxie‘ (Manuel Castells): Adorno, Theodor W. (1969), Stichworte. Kritische Modelle 2, Frankfurt/M; McLuhan, Marshall (1968), Die magischen Kanäle. Understanding Media, Düssenldorf / Wien; Neil Postman (1985), Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie, Frankfurt/M; Castells, Manuel (2005), Die Internet-Galaxie. Internet, Wirtschaft und Gesellschaft, Wiesbaden
• Cultural Studies: wie erringt und verteidigt man politische Hegemonie? (analysiert etwa mit Antonio Gramsci und Stuart Hall): Bromley, Roger et al. (1999), Cultural Studies. Grundlagentexte zur Einführung, Lüneburg
• Europäischer Rechtspopulismus und die Medien (Aalberg, Toril et al. (2017), Populist Political Communication in Europe, New York / London)
• Atwan, Abdel Bari (2016)‚ Das digitale Kalifat. Die geheime Macht des islamischen Staates, München
Lehrformen der Lehrveranstaltungen
Lehrform
SWS
Lehrvortrag
6
Arbeitsaufwand
6 SWS
10,0 Leistungspunkte
72 Stunden
228 Stunden
Modulprüfung
Prüfungsform
Dauer
Gewichtung
wird angerechnet gem. § 11 Absatz 2 PVO
Benotet
Anmerkung
Portfolioprüfung
100 %
Sonstiges
Die detaillierte Beschreibung der Prüfungsleistung wird zu Beginn des Semesters bekannt gegeben.