Modul


Allgemeine Informationen
Wirtschaft, Politik und Gesellschaft - Ideengeschichtliche Grundlagen
Economy, Politics, and Society – Politico-economic Principles
MA-WM - WPG
Prof. Dr. Schlüter-Knauer, Carsten (carsten.schlueter-knauer@haw-kiel.de)
Prof. Dr. Schlüter-Knauer, Carsten (carsten.schlueter-knauer@haw-kiel.de)
Wintersemester 2018/19
1 Semester
In der Regel im Wintersemester
Deutsch
Studiengänge und Art des Moduls (gemäß Prüfungsordnung)
Studiengang Vertiefungsrichtung Schwerpunkt Modulart Fachsemester
M.A. - BWL Lehre - Betriebswirtschaftslehre (konsekutiv) Wahlmodul
M.Sc. - WIW - Wirtschaftsingenieurwesen (Aufnahme bis SoSe 25) Wahlmodul
M.A. - BWL Lehre NB - Betriebswirtschaftslehre für Nicht-Betriebswirt*innen Wahlmodul
M.A. - TBWL - Technische Betriebswirtschaft Wahlmodul

Kompetenzen / Lernergebnisse
Kompetenzbereiche: Wissen und Verstehen; Einsatz, Anwendung und Erzeugung von Wissen; Kommunikation und Kooperation; Wissenschaftliches Selbstverständnis/Professionalität.
Absolvent*innen
- können aktuelle Kontroversen insbesondere unter gerechtigkeitstheoretischen und verantwortungsethischen Aspekten verstehen.

- sind in der Lage, komplexe und dilemmatische Situationen zu verstehen und zu analysieren.

- kennen die Geschichte, zugrundeliegende Methoden und den Stand der behandelten zentralen Theoreme und Verwendungszusammenhänge.
Absolvent*innen

- können eigene Fragestellungen mit diesen Theoremen und Instrumenten bearbeiten.

- sind in der Lage, auf dieser Basis konkrete Lösungsvorschläge für Dilemmasituationen zu erarbeiten.

- können sich mit Primärquellen informiert und methodisch bewusst auseinandersetzen.

- verfügen über die Kompetenz genauen Lesens (mikrologisches Lesen) und sind auf dieser Basis fähig, sich selbständig neues Wissen anzueignen.
Absolvent*innen

- können in der Seminargruppe mikrologisches Lesen ausüben und sich mit anderen über ihre Lektüre argumentativ austauschen und dementsprechend begründet Stellung
nehmen.

- können in Vorträgen, Referaten und mediengestützten Präsentationen ihre Arbeitsergebnisse im Seminar vorstellen und verteidigen.
Absolvent*innen

- können ihre Selbststudienanteile eigenverantwortlich und nachhaltig gestalten und ihre Lernprozesse reflektieren, die Reflexionsergebnisse wissenschaftlich gestützt
verarbeiten und schriftlich niederlegen sowie daraus Schussfolgerungen für ihre Handlungsweisen ziehen.

- sind in der Lage, gerechtigkeitskompatible Entscheidungen auf wissenschaftlicher Grundlage herbeizuführen.
Angaben zum Inhalt
Die konkreten Lehrinhalte und die Literatur variieren oder wechseln jedes Wintersemester, werden an dieser Stelle also nur exemplarisch angeführt:

Im Wintersemester 2018/19 lautet das Thema des Moduls: „Die moderne Gerechtigkeitstheorie von John Rawls“.

Wenn kurz- und langfristige betriebliche Nutzenkalküle und Interessen sowie gesellschaftliche Erwartungen an Managemententscheidungen miteinander in Konflikt geraten, reichen Effizienzüberlegungen keineswegs aus. Ansonsten können erhebliche Legitimationsdefizite mit auch wiederum betrieblichen Folgen entstehen. Das Nachdenken darüber, wer wie von Kooperationsgewinnen durch die gesellschaftliche Zusammenarbeit profitiert und wie diese verteilt werden sollen und wer wie die Kooperationsverluste tragen muss – damit verbunden: wer welche Rechte und wer welche Pflichten hat –, mündet schon seit langem in der übergreifenden Frage nach der Gerechtigkeit der Sozialbeziehungen und institutionellen Ordnungen.

Dies Seminar macht die Teilnehmer*innen anhand von Primärquellen mit ‚dem‘ zentralen Konzept der heutigen Gerechtigkeitstheorie vertraut, das für viele der wichtigste Beitrag zur politischen Ethik des 20. Jahrhunderts ist. Dessen Modernität besteht insbesondere darin zu versuchen, ihre Fragestellung sowohl prinzipiell als auch konkret unabhängig von Interessenimprägnierungen und Weltanschauungen zu bearbeiten. Die Arbeit mit solchen Quellen hat zugleich den Vorzug, den Umgang mit praxistauglichen Testverfahren einzuüben. Die Teilnehmenden erlangen dadurch eine Methodenkenntnis, die ihnen den reflektierten Umgang mit entsprechenden Dilemmasituationen in der Berufspraxis erleichtern soll.
Dabei werden sich die Teilnehmenden vertieft mit der Primärquelle selber und auch mit ihren Grundlagen befassen und nicht nur ‚über‘ sie reden.

Hauptinhalte sind:

• Konzeptionen des Gesellschaftsvertrags und ein Grundverständnis der Perspektive sozialethischer Gesetzlichkeit als relativ einfache rationale Testverfahren mit starker
Anwendungsorientierung
• John Rawls‘ Gerechtigkeitsgrundsätze als ebenfalls rationale Testverfahren.

Zugehörige Einzelthemen können z. B. sein 1) intuitive Gerechtigkeitsvorstellungen und das perspektivenreiche Sprechen über Gerechtigkeit, Gerechtigkeit als 'Stammeswert' oder universale Gerechtigkeit? (d. h. Reichweite, kulturelle und soziale Perspektiven wie Fairness – nur eine westlich-amerikanische Sicht?); 2) Einführung in kontraktualistische Staats- und Gerechtigkeitstheorien; 3) Rawls' Grundansatz: Gerechtigkeit als Fairness; 4) Grundsätze der Gerechtigkeit; 5) die Perspektive eines Urzustands als Gedankenexperiment; 5) Ist gleiche Freiheit für alle möglich?; 6) Verteilungsfragen; 7) Die Vielfalt des Guten – ist das Gute das Vernünftige?; 8) Pflichten; 9) Der Gerechtigkeitssinn und sozialer Ausgleich; 10) Das Gut der Gerechtigkeit und die Idee der sozialen Gemeinschaft
Primärliteratur (dies ist hier auch die Pflichtlektüre):

John Rawls, 1975: Eine Theorie der Gerechtigkeit, Frankfurt/M (zuerst amerik. Cambridge, Mass., 1971)

Ausgewählte Sekundärliteratur

(dies ist keine Pflichtlektüre, weitere Literaturhinweise und Hinweise zum Umgang mit diesen Texten folgen in der Lehrveranstaltung – so ist außer Aufsätzen zu Einzelthemen z. B. die Verwendung von Teilen ‚einer‘ Einführung oder anderer dieser Publikationen manchmal sinnvoll):

Sven Ellmers, 2012: John Rawls Gerechtigkeit im Zeichen weltanschaulicher Pluralität. In: Oldenburger Jahrbuch für Philosophie 2012, S. 70-94; im Netz unter: http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/IMG/pdf/Ellmers_Rawls.pdf

Otfried Höffe (Hrsg.), 2013: John Rawls Eine Theorie der Gerechtigkeit, 3. Aufl., Berlin (= Klassiker auslegen, Bd. 15)

Wolfgang Kersting, 1994: Die politische Theorie des Gesellschaftsvertrags, Darmstadt, S. 259-299

Wolfgang Kersting, 2015: John Rawls zur Einführung, Hamburg

Lutz Meyer, 1996: John Rawls und die Kommunitaristen, Würzburg

Rouven Möckesch, 2016: Der Urzustand als modernes Testverfahren für die Gerechtigkeitskompatibilität politischer Vorhaben und Programme. In: Perspektiven DS. Zeitschrift für Gesellschaftsanalyse und Reformpolitik. 33. 2016. 2 (Themenheft: Orientierungssuche in der Zeitenwende), S. 151-155

Thomas W. Pogge, 1994: John Rawls, München

Michael J. Sandel, 1995a: Die Gerechtigkeit und das Gute. In: Bert van den Brink / Willem van Reijen (Hrsg.): Bürgergesellschaft, Recht und Demokratie, Frankfurt/M, S. 187-212
Ders.,1995b: Die verfahrensrechtliche Republik und das ungebundene Selbst. In: Axel Honneth (Hrsg.): Kommunitarismus. Eine Debatte über die moralischen Grundlagen moderner Gesellschaften, 3. Aufl., Frankfurt/M, S. 18-35

Carsten Schlüter-Knauer, 2018, in Vorbereitung: Grundzüge der Gerechtigkeitstheorie von John Rawls, S.1-3 (wird dem Seminar zur Verfügung gestellt)

Ernst Tugendhat, 1983: John Rawls Eine Theorie der Gerechtigkeit. In: Die Zeit vom 4. März 1983, im Netz unter: http://www.zeit.de/1983/10/eine-theorie-der-gerechtigkeit
Lehrformen der Lehrveranstaltungen
Lehrform SWS
Seminar 2
Arbeitsaufwand
2 SWS
5,0 Leistungspunkte
24 Stunden
126 Stunden
Modulprüfung
Keine
Prüfungsform Dauer Gewichtung wird angerechnet gem. § 11 Absatz 2 PVO Benotet Anmerkung
Portfolioprüfung 50 %
Präsentation 20 Minuten 50 %
Sonstiges
Keine Voraussetzungen.
Ein Interesse an moralischen Grundlagen rationalen Entscheidens in Dilemmasituationen wäre hilfreich, wie sie für die Gegenwart der modernen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kennzeichnend sind. Denn die Veranstaltung soll durch die gründliche Diskussion der in den herangezogenen Texten aufgeworfenen Fragestellungen ebenfalls dazu dienen, einerseits wirtschaftliches und politisches Handeln – auch das eigene – theorieunterstützt reflektieren zu lernen und andererseits eigene Entscheidungen und eigenes Handeln so besser argumentativ begründen zu können. Damit zielt sie zugleich auf die Schärfung der Wahrnehmungssensibilität für Probleme und die eventuelle Mehrperspektivität unterschiedlicher Akteure und Betroffener und die Einübung der Fähigkeit zur Perspektivenein- und -übernahme.
In diesem Sinne greift das Seminar auch die im Modul ‚Management Ethics‘ sowie die im Modul ‚Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – Kontroversen und Texte‘ vorliegenden Fragestellungen auf und vertieft sie, kann jedoch auch hilfreich für die Vorbereitung auf solche
Lehrveranstaltungen sein. Damit ist die Mitarbeit für alle diejenigen sinnvoll, die sich als künftige Entscheider*innen in einer Gesellschaft verstehen, welche sie als Akteure maßgeblich konstituieren und in der sie unabwendbar verantwortlich sind.
Dies Modul kann sowohl komplementär zum Modul ‚Wirtschaft, Politik und Gesellschaft - Kontroversen und Texte‘ als auch unabhängig davon besucht werden – die Module ergänzen einander (wobei die Reihenfolge beliebig sein kann), bauen aber nicht aufeinander auf.

Bitte eine beliebige Auflage des Primärtextes der Veranstaltung rechtzeitig beschaffen (Rawls 1975). Da wir hauptsächlich mit diesem Text intensiv arbeiten, empfiehlt sich eine Anschaffung. John Rawls ‚Eine Theorie der Gerechtigkeit‘ ist als Taschenbuch im Buchhandel erhältlich und z.B. über einschlägige Antiquariats-Portale sogar häufig auch günstig antiquarisch zu bekommen.