Lehrveranstaltung


Allgemeine Informationen
Teilhabeorientierte Soziale Arbeit II: Grundlagen professionellen Handelns teilhabeorientierter Sozialer Arbeit mit marginalisierten Gruppen
Participation-oriented social work II: Basics of participation-oriented social work with marginalized groups
5.58.03
Prof. Dr. Bödecker, Florian (florian.boedecker@haw-kiel.de)
In der Regel jedes Semester
Deutsch
Zuordnung dieser Veranstaltung zu Modulbeschreibungen und deren Studiengangszuordnungen

Module, in denen diese Lehrveranstaltung belegt werden muss


Modul Studiengang Vertiefungsrichtung Schwerpunkt Fachsemester
Theoretische Grundlagen im Schwerpunkt Teilhabeorientierte Soziale Arbeit
Theoretical Approaches in Participation-Oriented Social Work
B.A. - BASA 25 - Soziale Arbeit (PO 2025 V8) Teilhabeorientierte Soziale Arbeit
Theoretische Grundlagen im Schwerpunkt Soziale Hilfen
Theoretical Approaches in Social Services
B.A. - BASA 21/22 - Soziale Arbeit (PO 2021/2023 V7) Soziale Hilfen

Module, in denen diese Lehrveranstaltung zur Wahl steht


Modul Studiengang Vertiefungsrichtung Schwerpunkt Fachsemester
Theoretische Grundlagen II
Theoretical Foundations II
B.A. - BASA 25 - Soziale Arbeit (PO 2025 V8)
Kompetenzen / Lernergebnisse
Kompetenzbereiche: Wissen und Verstehen; Einsatz, Anwendung und Erzeugung von Wissen; Kommunikation und Kooperation; Wissenschaftliches Selbstverständnis/Professionalität.
Die Teilnehmenden sind nach der Veranstaltung in der Lage,
• zu erläutern, inwiefern ältere Menschen, Menschen mit Behinderung und straffällig gewordene Menschen gerade im Kapitalismus marginalisiert sind;
• zu begründen, warum gerade soziale Dienstleistungsarbeit im Kapitalismus ökonomisch als unproduktiv gilt und unter permanenten Kostenvorbehalt steht;
• dieses Zusammenhangswissen anzuwenden, um die prekären Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit zu erklären;
• methodisch zu begründen, wie eine hilfreiche Arbeitsbeziehungen mit Gruppen aufgebaut werden kann, die einen deutlichen geringen sozialen Status haben;
• Kriterien für die Selbstbestimmungsfähigkeit von Menschen anzugeben, um damit eine Balance im Zielkonflikt zwischen Achtung der Selbstbestimmung auf der einen und Fürsorge für das Wohlergehen auf der anderen Seite im Umgang besonders verletzlicher Gruppen zu finden;
• kriterienorientiert zu entscheiden, welche Unterscheidungen von Menschengruppen als wissenschaftlich legitim betrachtet werden können;
• dabei die vier verschiedenen Modi asymmetrischer Entscheidungen (Distinktion, Devaluierung, Diskriminierung und Stigmatisierung) kritisch zu diskutieren;
• die Möglichkeiten und Grenzen einer inklusiven Sprache bei der Bezeichnung sozialer Gruppen zu erörtern und
• unterschiedliche Möglichkeiten der Ansprache und Kriterien für die Gestaltung von Angebote für solche Zielgruppen (z.B. im Rahmen von Bildungsangeboten) zu diskutieren.
Angaben zum Inhalt
Manche Zielgruppen Sozialer Arbeit sind besonders von Marginalisierung bedroht. Dazu zählen z.B. Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen und straffällig gewordene Menschen. In dieser Veranstaltung sollen deshalb die gesellschaftstheoretischen, methodischen, ethischen, wissenschaftstheoretischen und sprachpolitischen Grundlagen einer Soziale Arbeit behandelt werden, die auf gesellschaftliche Mitbestimmung dieser Gruppen zielt.
Bei den gesellschaftstheoretischen Grundlagen steht vor allem die Frage im Fokus, was es bedeutet, im Kapitalismus alt, behindert oder straffällig zu sein, und was für die Sozialarbeiter*innen bedeutet, in dieser Gesellschaft soziale Dienstleistungsarbeit zu betreiben.
Die methodischen Grundlagen beziehen sich vor allem darauf, wie eine helfenden Beziehung mit Gruppen aufgebaut werden kann, die durch einen deutlich geringeren sozialen Status gekennzeichnet sind. Darüber hinaus steht der Umgang mit der eigenen Macht im Sinne von
Machtsensibilität im Zentrum sowie die Frage, wie solche Gruppen eigentlich angesprochen werden können.
Ethisch stellt sich besonders die Frage nach dem Umgang mit dem Zielkonflikt zwischen Achtung der Selbstbestimmung auf der einen und der Pflicht zur Fürsorge auf der anderen Seite.
Dafür ist es z.B. wesentlich, die Selbstbestimmungsfähigkeit von Menschen einschätzen zu können.
Wissenschaftstheoretisch geht es vor allem darum, welche Unterscheidungen von Menschengruppen auch eigentlich als legitim betrachtet werden können. Mit der Kategorisierung verschiedener Menschengruppen sind auch die Modi „asymmetrischer Unterscheidungen“ verbunden: Distinktion, Devaluierung, Diskriminierung und Stigmatisierung.
Sprachpolitisch, aber auch wissenschaftlich, ist mit der Frage nach der Kategorisierung sozialer Gruppe auch die Frage nach ihrer Bezeichnung verbunden. Was hieße in Bezug auf Menschen mit Behinderung, ältere Menschen und straffällig gewordene Menschen eine inklusive Sprache zu verwenden. Ist es überhaupt eine Aufgabe der Sprache, Wirklichkeit richtig widerzuspiegeln?
Ackermann, Timo (2011): Fallstricke sozialer Arbeit. Systemtheoretische, psychoanalytische und marxistische Perspektiven. 2., überarb. Aufl. Heidelberg: Auer.
Hirschauer, Stefan (2021): Menschen unterscheiden. Grundlinien einer Theorie der Humandifferenzierung. In: Zeitschrift für Soziologie 50 (3-4), S. 155–174. DOI: 10.1515/zfsoz-2021-0012.
Linke, Angelika; Runte, Maren (2016): Alterseuphemismen : Reden wir das Alter schön? Angelika Linke und Maren Runte im Interview mit Hans Rudolf Schelling. In: Angewandte Gerontologie 01 (03), S. 25–27. DOI: 10.1024/2297-5160/a000054.
Misamer, Melanie (2023): Machtsensibilität in der Sozialen Arbeit. Grundwissen für reflektiertes Handeln. 1. Auflage. Stuttgart: Kohlhammer.
Reframing Aging Initiative (2022): Communication Best Practices. Reframing Aging Initiative Guide to Telling a More Complete Story of Aging.
Schein, Edgar H. (2010): Prozess und Philosophie des Helfens. Einzelberatung, Teamberatung und Organisationsentwicklung. Dt. Ausg. Bergisch Gladbach: EHP (EHP-Organisation).
Schmidt-Hertha, Bernhard (2018): Spotlights der Bildung im Alter: Angebotskonzepte und informelle Lernkontexte. In: Renate Schramek, Cornelia Kricheldorff und Julia Steinfort-Diedenhofen (Hg.): Alter(n) - Lernen - Bildung. Ein Handbuch. Stuttgart: Kohlhammer, S. 261–266.
Wohlfahrt, Norbert (2020): Soziale Dienstleistungsarbeit im Kapitalismus. In: Hans-Uwe Otto (Hg.): Soziale Arbeit im Kapitalismus. Gesellschaftstheoretische Verortungen – Professionspolitische Positionen – Politische Herausforderungen. Weinheim: Beltz Juventa (Edition Soziale Arbeit), S. 182–194.
Lehrform
Lehrform SWS
Lehrvortrag 2
Prüfungen
Prüfungsform Dauer Gewichtung wird angerechnet gem. § 11 Satz 2 PVO Benotet Anmerkung