Lehrveranstaltung


Allgemeine Informationen
Kritisches Denken für Fachkräfte Sozialer Arbeit
Critical thinking for professionals in social work
5.08.12.0
Prof. Dr. Bödecker, Florian (florian.boedecker@haw-kiel.de)
In der Regel jedes Semester
Deutsch
Zuordnung dieser Veranstaltung zu Modulbeschreibungen und deren Studiengangszuordnungen

Module, in denen diese Lehrveranstaltung zur Wahl steht


Modul Studiengang Vertiefungsrichtung Schwerpunkt Fachsemester
Grundfragen und Handlungsformen in der Sozialen Arbeit
Principles and methods of social work practice
B.A. - BASA - Soziale Arbeit (PO 2017/2019 V6)
Kompetenzen / Lernergebnisse
Kompetenzbereiche: Wissen und Verstehen; Einsatz, Anwendung und Erzeugung von Wissen; Kommunikation und Kooperation; Wissenschaftliches Selbstverständnis/Professionalität.
Die Studierenden sind in der Lage,
- wesentliche Elemente des "kritischen Denkens" anhand einschlägiger Definitionen zu benennen und zu diskutieren.
- den Prozeß des Kritisieren anhand seiner Voraussetzungen, Bestandteile und Konsequenzen zu rekonstruieren.
- zu begründen, warum sowohl das Dogma konstruktiver Kritik problematisch ist als auch Kritik als Haltung.
- zu definieren, was ein Argument ist und was keine Argumente sind.
- die Grenzen des Argumentierens zu benennen.
- drei unterscheidliche Formen von wissenschaftlichen Schlüssen (Induktion, Deduktion und Abduktion) an Beispielen zu erläutern.
- die Unterschiede zwischen den beiden Hauptformen von Schlüssen (deduktiv und nicht-deduktiv) zu erläutern.
- wichtige Fehlschlüsse zu benennen und erklären zu können.
- zu erklären, was ein Argumentationsfehler ist.
- anhand allgemeiner Gütekriterien von Argumenten stärkere von schwächeren Argumenten zu unterscheiden.
- auf der Grundlage der pragma-dialektischen Argumentationstheorie zentrale Argumentationsfehler an Beispielen zu erläutern.
- wesentliche kognitive Verzerrungen zu benennen.
Die Studierenden sind in der Lage,

- die politische Bedeutung fundierter (Ideologie)Kritik anhand von Beispielen wie des demographischen Wandels oder der Fridays-for-Future-Bewegung zu begründen.
- anhand von Beispielen wesentliche Fehlschlüsse zu erkennen und zu erklären.
- zu begründen, warum in korrekten deduktiven Schlüssen die Wahrheit der Prämissen die Wahrheit der Konklusion garantiert, in nicht-deduktiven nur einen mehr oder weniger starken Grund dafür liefert.
- sozialpsychologische Befunde zu gängigen kognitiven Verzerrung auf ihre Folgen hin für Diagnostik und Assessment in der Sozialen Arbeit zu analysieren.
- anhand von Fallvignetten aus der klinischen Sozialen Arbeit Argumentationsfehler und/oder kognitive Verzerrungen zu identifizieren und Gegenmaßnahmen vorzuschlagen.
Die Studierenden sind in der Lage in Gruppen- und Plenumsarbeit zielfördernd zusammen zu arbeiten.
Sie nehmen dabei einen achtsame Haltung gegenüber den Bedürfnissen der Teilnehmer ein.
Sie in der Lage, auf Argumente sachlich einzugehen und eigenen Argumente hervorzubringen.
Sie außerdem in der Lage, Argumentsfehler und kognitive Verzerrungen wechselseitig zu erkennen.
Sie nehmen die Haltung, Kritik nicht von einem persönlichem Vorwurf zu unterscheiden und deshalb sachlich überprüfen zu können.
Die Studierenden,

sind sich die Bedeutung von stichhaltigen Begründungen für professionelles Handeln bewußt;
wissen um die Fallstricke von Argumentationsfehlers und kognitiven Verzerrungen und können Gegenmaßnahmen für die Praxis Sozialer Arbeit empfehlen.
Angaben zum Inhalt
"Kritisches Denken" findet sich dem Wortlauf nach im "Qualifikationsrahmen für Hochschulabschlüsse" in fast allen Kompetenzdimensionen. In der Hochschullehre ist es damit so etwas wie eine Selbstverständlichkeit. Deshalb wird dieser Ausdruck selten mit Inhalt gefüllt, sondern scheint sich als Nebenprodukt des Studium quasi von selbst einzustellen.

Dagegen soll in diesem Seminar seine Bedeutung herausgestellt und seine Aspekte nicht zuletzt an Fallbeispielen selbst praktiziert werden. Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis Sozialer Arbeit gibt es eine Begründungspflicht: Aussagen können nicht einfach in den Raum gestellt werden, sondern sollten möglichst durch solide Aussagen begründet werden, um schließlich zu möglichst sicheren Schlußfolgerungen und in der Sozialen Arbeit zu guten Entscheidungen im Sinne der Klient*innen zu kommen.

Zum professionellen Handeln von Fachkräften der Sozialen Arbeit gehört deshalb auch, das Begründen eigener Standpunkte und getroffener Maßnahmen sowie die Kritik an eigenen und fremden Argumenten. Im Idealfall können wir hoffen, daß unser Gegenüber bereit ist, sich auf unsere Argumentation prüfend einzulassen. Sobald wir aber emotional werden, ohne weitere Gründe zu liefern, fühlt sich das Gegenüber eher unter Druck gesetzt und wird eher abwehrend reagieren Deshalb ist es gerade dann von entscheidender Bedeutung, daß wir andere mit guten Gründen überzeugen können, wenn uns ein Anliegen besonders am Herzen liegt.

In diesem Seminar sollen daher nach einer Einführung in den Begriff des "kritischen Denkens" und der Veranschaulichung an zwei Beispielen vor allem drei Aspekten des kritischen Denkens nachgegangen werden:

1. Was ist eigentlich eine richtige, d.h. fundierte Kritik? Was ist Voraussetzung für das Kritisieren, und was kann ihr Ergebnis sein (konstruktive oder destruktive Kritik?)
2. Was zeichnet wissenschaftliches Argumentieren und Schließen aus? Was unterscheidet eigentlich ein Argument von Nicht-Argumenten wie z.B. emotionalen Appellen? Was unterscheidet stärkere von schwächeren Argumenten? Welche Formen von Schlüssen und Fehlschlüssen gibt? Woran zeigen sich Argumentationsfehler als Verstoß gegen sinnvolle Argumentationsregeln?
3. In weit können kognitive Verzerrungen zu Fehlern und Fallen in der Diagnostik und dem Planen von Interventionen führen? Welche Gegenmaßnahmen sind möglich, um in der Praxis der Sozialen Arbeit gute Entscheidungen treffen zu können?

Höhepunkt des Seminars ist ein "Argumentationsfehlerfestival" mit Fallvignetten aus der klinischen Sozialen Arbeit: Anhand von Fallvignetten soll überlegt werden, welche Argumentationsfehler oder kognitiver Verzerrungen hier zum Problem beim Entscheiden in der Praxis führen können.

Die Seminarinhalte können auf Wunsch ergänzt werden durch zusätzliche Themen wie "Argumentieren gegen rechts" oder "moralisches Argumentieren".

Vorbehaltlich seiner Umsetzbarkeit wird der Seminarplan ggf. noch so geändert, daß auch der Rekonstruktion von Argumenten einige Sitzungen gewidmet werden.
Brun, Georg & Hirsch Hadorn, Gertrude (2018). Textanalyse in den Wissenschaften: Inhalte und Argumente analysieren und verstehen (3., aktualisierte Auflage). Zürich: vdf Hochschulverlag.
Gambrill, Eileen D. & Gibbs, Leonard (2017). Critical Thinking for Helping Professionals: A skills-based workbook (4. Aufl.). New York: Oxford University Press.
Lehrform
Lehrform SWS
Übung 2
Prüfungen
Prüfungsform Dauer Gewichtung wird angerechnet gem. § 11 Satz 2 PVO Benotet Anmerkung